{"id":101,"date":"2012-04-09T09:33:42","date_gmt":"2012-04-09T16:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/almliebe.tumblr.com\/post\/20783649179"},"modified":"2018-04-03T10:17:17","modified_gmt":"2018-04-03T08:17:17","slug":"landlust-nur-nicht-am-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.almliebe.com\/blog\/2012\/04\/landlust-nur-nicht-am-land\/","title":{"rendered":"Landlust &#8211; nur nicht am Land"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-489\" src=\"https:\/\/www.almliebe.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/landlust-nur-nicht-am-land.png\" alt=\"Landlust - nur nicht am Land\" width=\"500\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.almliebe.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/landlust-nur-nicht-am-land.png 500w, https:\/\/www.almliebe.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/landlust-nur-nicht-am-land-300x151.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Der neue Trend zu Heimat, Tradition und Natur ist auf dem Land noch nicht wirklich angekommen. Ehrliche Handarbeit wird h\u00f6chstens in den Medien romantisiert. Kleine L\u00e4den am Land profitieren bisher noch kaum von der neuen Landlust. Aber es liegt eine Sehnsucht in der Luft, die die Zukunft pr\u00e4gen wird.<\/p>\n<p><!-- more --><\/p>\n<p>An einem Samstag im November in einer typischen niederbayerischen Kleinstadt: g\u00e4hnende Leere in den Stra\u00dfen der Innenstadt. Leerst\u00e4nde mitten im Ortskern. Nur am Kreisverkehr im h\u00e4sslichen Gewerbegebiet vor den Toren des 15000 Einwohner-Ortes hat sich ein kleiner Stau gebildet. Die Autos biegen ab zu Lidl, Kik, Obi und Co. Tristesse nicht nur wegen der Nebelschleier, die alles in trostloses Grau h\u00fcllen. Die Berge sieht man ohnehin nur bei extremer F\u00f6nwetterlage. Neue Liebe zu Heimat, Natur und Tradition, \u00fcber die nicht nur Magazine wie Landlust immer wieder schreiben? Hier sp\u00fcrt man sie jedenfalls nicht. Auch die ortsans\u00e4ssigen Einzelh\u00e4ndler berichten nicht gerade vom neuen Run auf ihre Region und ihre Gesch\u00e4fte und auch nicht von Horden an Ausfl\u00fcglern und St\u00e4dtern, die ihre Liebe zum Land entdeckt haben.<\/p>\n<p>Szenenwechsel. Derselbe Samstag im bayerischen Oberland. Stop and Go Richtung Tegernsee. Stundenlang m\u00fcssen landlustige M\u00fcnchner auf verstopften Landstra\u00dfen zu Almh\u00fctten und Bergrestaurants kriechen. Die langwierige Anfahrt scheint nicht sonderlich abzuschrecken, wenn der Lohn daf\u00fcr idyllische Wanderwege, urige Lokale und Natur pur sind, die einen sch\u00f6nen Kontrast zum stressigen Stadtleben bieten. Dass Bergwandern gerade auch bei jungen Leuten eine Renaissance erlebt, ist unbestritten. Outdoor-Anbieter profitieren seit geraumer Zeit von der neuen Wanderlust und Naturliebe der Gro\u00dfst\u00e4dter. Aber wirkt sich der Trend auch positiv auf Einwohnerzahl und Einzelhandelsstruktur in der Kleinstadt aus? Erbl\u00fchen das Leben und der Handel fernab vom hektischen Gro\u00dfstadttrubel?<\/p>\n<p>Allein die nackten Zahlen sprechen dagegen. Hat 1994 knapp 19% der deutschen Gesamtbev\u00f6lkerung in l\u00e4ndlicher Umgebung gewohnt, so waren es 2010 nur noch 14%. \u201eWenn die prozentualen Ver\u00e4nderungen auch gering ausfallen, so kann man immer noch von Landflucht sprechen, da die Bev\u00f6lkerung im l\u00e4ndlichen Bereich konstant r\u00fcckl\u00e4ufig ist und die st\u00e4dtische j\u00e4hrlich ansteigt\u201c, sagt Susanne Becker vom Statistischen Bundesamt. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der gut ausgebildeten Jugend zieht es noch immer in die Metropolen. Insbesondere auch durch den demografischen Wandel sind die l\u00e4ndlichen Einwohnerzahlen vielerorts r\u00fcckl\u00e4ufig. Viele Kleinst\u00e4dte und D\u00f6rfer nicht nur in Ostdeutschland klagen \u00fcber fehlende Arztpraxen, Dorfschulen, Banken, Gasth\u00e4user, Poststellen, Banken und sogar Kirchen. Und es ist fraglich, ob die Ver\u00f6dung der Kleinst\u00e4dte zumindest au\u00dferhalb von Ferienregionen durch eine neue Gesinnung, die das Zukunftsinstitut in Kelkheim 2008 schon mit dem Begriff Neo Nature versehen hat, aufgehalten werden kann. \u201eDen St\u00e4dten und Gemeinden ist es ein wichtiges Anliegen, der Ver\u00f6dung von Innenstadtbereichen wirksam entgegenzutreten. Regelm\u00e4\u00dfig werden Konzepte in Zusammenarbeit von Handel und Kommune entwickelt, die die Chance bieten, gerade regionale Besonderheiten zu etablieren und sich mit dem Themenfeld Natur, \u00d6kologie und Tradition zu befassen\u201c, sagt Dr. Gerd Landsberg vom Deutschen St\u00e4dte- und Gemeindebund.<\/p>\n<p>Soweit die Theorie. Die Praxis sieht vielerorts anders aus, wei\u00df auch Barbara Gruber vom Gewandhaus Gruber in Erding, 35 Kilometer von M\u00fcnchen entfernt. Dennoch ist ihr das Ph\u00e4nomen Landlust in letzter Zeit h\u00e4ufiger begegnet, nicht nur weil sie immer mehr Lederhosen und Dirndl verkauft, ja von einem wahren Trachten-Boom sprechen kann. \u201eZun\u00e4chst war das auf bestimmte Anl\u00e4sse wie auf Volksfeste beschr\u00e4nkt. Aber mittlerweile hat das Echte, Traditionelle auch im normalen Alltag eine Berechtigung. Wir verkaufen jetzt auch vermehrt urige Janker, Strickjacken und Trachtenblusen zu Jeans und Chino.\u201c Gruber spricht auch von der Sehnsucht nach Wertbest\u00e4ndigkeit, die sie bei ihren Kunden ausmacht. Nur dass sich der Wertewandel extrem auf den Handel in den l\u00e4ndlichen Regionen auswirkt, kann sie nicht best\u00e4tigen: \u201eIn den 1970er, 1980er Jahren war es extrem schick, in die Stadt zu fahren. Das machen heute nat\u00fcrlich auch noch viele. Aber es nimmt nicht mehr zu.\u201c Das liegt wahrscheinlich aber eher daran, dass Gruber mittlerweile auf 5.000 Quadratmetern Mode verkauft und von Esprit \u00fcber Boss bis Gerry Weber alles bietet, was der Kunde braucht. Dar\u00fcberhinaus versucht das Familienunternehmen, sich \u00fcber guten Service und individuellen Markenmix von der breiten Masse abzuheben.<\/p>\n<p>\u201eDas gro\u00dfe Problem von H\u00e4ndlern auf dem Land ist, dass sie immer ein sehr breites Spektrum an Marken und Modellen anbieten m\u00fcssen, um mit dem riesigen Angebot in der Gro\u00dfstadt halbwegs mithalten zu k\u00f6nnen.\u201c Florian Ranft, Komet&amp;Helden.<\/p>\n<p>Ein paar Kilometer weiter in Freising sieht es schon anders aus. Dort hat Gruber vor kurzem einen neuen Laden er\u00f6ffnet und k\u00e4mpft mit den \u00fcblichen Problemen. Mit der gr\u00fcnen Wiese, mit veralteten Strukturen und der fehlenden Attraktivit\u00e4t des Stadtkerns. Kleine interessante L\u00e4den findet man hier kaum. Das Sterben des individuellen Einzelhandels ist laut BTE nicht gestoppt, der Konzentrations-Prozess nimmt weiter zu. Betroffen sind vor allem kleinere Modegesch\u00e4fte mit Nettoums\u00e4tzen unter f\u00fcnf Millionen Euro. Waren im Jahr 2000 noch 34 823 Unternehmen am Markt vertreten, so ist die Zahl im Jahr 2009 auf nur noch 23 771 gefallen. So mancher beobachtet jedoch einen langsamen Gegentrend. \u201eDiejenigen H\u00e4ndler, die es heute noch auf dem Land gibt, bleiben auch. Sie haben sich auf den Mikromarkt und auf den Bedarf vor Ort eingestellt\u201c, sagt Michael Prues von der Vertriebsagentur Raab &amp; Prues in M\u00fcnchen. \u201eEs gibt interessante neue Gesch\u00e4fte am Land, die neue Wege gehen. Aber man kann nicht sagen, dass jetzt \u00fcberall neue Shops aufpoppen.\u201c<\/p>\n<p>Davon kann auch Markus Kuttenreich ein Lied singen. Er betreibt in Ingolstadt auf 120 Quadratmetern den M\u00e4nnermodeladen \u201eKuttenreich\u201c mit Marken wie Boss Black, Barbour, Polo Ralph Lauren und Better Rich. Gro\u00dfe Einkaufs- und Outletcenter schw\u00e4chen die Frequenz in der Innenstadt. \u201eNat\u00fcrlich fahren viele zum Einkaufen weg, weil es hier keine gro\u00dfe Auswahl mehr gibt. Es fehlen die Magneten\u201c, so Kuttenreich. \u00dcber die Jahre ist sein Sortiment immer hochwertiger geworden und spezieller, \u201edas Andere bekommen die Leute doch \u00fcberall.\u201c<\/p>\n<p>Globale Konkurrenz. Und zwar nicht nur im Outlet-Center in Ingolstadt oder in M\u00fcnchen sondern auch im World Wide Web. Mytheresa, Jades24, Myclassico und Co. sind zu unmittelbaren Konkurrenten geworden, die allesamt \u00fcber wachsende Verk\u00e4ufe in l\u00e4ndliche Gebiete berichten k\u00f6nnen. \u201eMittlerweile bekommt man alles im Internet, auch sehr hochwertige Bekleidung. Das stellt nat\u00fcrlich die Exklusivit\u00e4t in Frage\u201c, sagt Michael Prues. \u201eDie station\u00e4ren H\u00e4ndler sind gefordert, dass sie richtig Lust machen auf Einkaufen und gut beraten. Denn es wird immer schwierig sein, einen Brioni-Anzug im Internet zu kaufen.\u201c Brioni ist vielleicht die Ausnahme. Dennoch konnte der auf Textilien und Bekleidung spezialisierte Internet- und Versandhandel laut statistischem Bundesamt im ersten Halbjahr 2011 ein Umsatzwachstum von 4,6 Prozent verzeichnen und wird zu einem immer st\u00e4rkeren Mitbewerber des station\u00e4ren Modefachhandels. \u201eTraditionell haben wir viele Kunden aus dem l\u00e4ndlichen Raum und die Zuwachsraten entwickeln sich weiterhin sehr positiv\u201c, sagt Stefan Puriss, CEO von frontlineshop. \u201eDa sich die realen Angebotsstrukturen in den Vorst\u00e4dten und l\u00e4ndlichen Gebieten tendenziell zur\u00fcckentwickeln, besteht automatisch eine noch gr\u00f6\u00dfere Nachfrage nach Versandhandelsangeboten. Das merken wir unmittelbar.\u201c<\/p>\n<p>Die Ausnahme best\u00e4tigt die Regel. In der Ferienregion Chiemsee und speziell im 10 000 Einwohner-Ort Prien gibt es eine Markendichte, die ihresgleichen sucht. Im April hat zum Beispiel das m\u00e4nnliche Pedant zum DOB-Laden Scala aufgemacht auf 70 Quadratmetern mit hochwertigen Marken wie Jil Sander, Dries van Noten, Marc by Marc Jacobs, Frauenschuh, Acne und Golden Goose. \u201eWir sp\u00fcren die neue Lust am Landleben und an den Bergen ganz klar. Viele St\u00e4dter haben sich in der letzten Zeit Zweitwohnungen hier gekauft\u201c, sagt Inhaber Georg Eder. \u201eDer Chiemsee ist sehr attraktiv und insbesondere die Preise im Vergleich zu M\u00fcnchen. Au\u00dferdem sch\u00e4tzen unsere Kunden die ruhige Einkaufssituation und den Kontakt zu den Inhabern.\u201c Auch der Laden Lin &amp; Co von Norbert Reipert, der zusammen mit seiner Frau das Cashmere-Label Villa Gaia f\u00fchrt, entwickelt sich positiv. Zu 70 Prozent besteht das Sortiment aus Villa Gaia, abgerundet mit Drykorn, Schuhen und Accessoires. 3.000 Teile werden dort j\u00e4hrlich gekauft, nicht nur von Touristen, sondern auch von Einheimischen. \u201eIch glaube, im l\u00e4ndlichen Bereich findet der Wertewandel schneller statt, weil die Menschen n\u00e4her an der Natur sind\u201c, sagt Reipert. \u201eDer \u00f6kologische und soziale Aspekt der Produktion geh\u00f6rt auch zum Thema Landlust. Der Endverbraucher ist vermehrt geneigt, nachhaltige, in Europa produzierte Ware zu kaufen, wenn sie mit anderen Produkten auf dem gleichen Niveau ist was Preis, Design und Funktion betrifft.\u201c<\/p>\n<p>Konsumlust verbunden mit gutem Gewissen. Das sei die Zukunft und zwar nicht nur am Land. Das ist auch das Credo von Till Reiter, Inhaber der Marke Ludwig Reiter, die f\u00fcr hochwertige, rahmengen\u00e4hte Schuhe steht, gefertigt vor den Toren Wiens. Dorthin ist Reiter mit seiner Firma gezogen. Bewusste Stadtflucht kann man das wohl nicht nennen, aber Reiter genie\u00dft die klassische Dorf-Struktur mit Gutshof, Kapelle, W\u00e4ldern und Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Genauso wie viele Kreative, die bewusst auf Vogelgezwitscher statt Verkehrsl\u00e4rm setzen. Das Fachmagazin Computer Woche hat gro\u00df \u00fcber die neue Landlust der IT-Kreativen berichtet als Gegentrend zur Virtualisierung. \u201eDas ist aber immer noch ein Minderheitenprogramm f\u00fcr Leute, die die Milch vom Bauern und das Brot vom B\u00e4cker kaufen wollen und gerne im Garten arbeiten\u201c, sagt Reiter. Zumindest bekommt er die Romantisierung der Natur und der ehrlichen Handarbeit in seinem Betrieb kaum zu sp\u00fcren. \u201eEs ist schwierig Leute zu finden. Handwerkliche Berufe will keiner lernen. Deshalb m\u00fcssen wir selbst ausbilden.\u201c \u00c4hnliches berichtet Anja Grabherr-Petter vom Strick-Label Phil Petter in Vorarlberg: \u201eHier gibt es eine lange Stricker-Tradition. Aber leider gibt es heute nur noch uns. Insofern gibt es auch die entsprechenden Schulen nicht mehr, das Berufsbild ist verlorengegangen.\u201c Der Endverbraucher jedoch sch\u00e4tze das ehrliche Handwerk vermehrt. \u201eDie Leute sind sensibler geworden und kaufen intelligenter ein. Da ist Made in \u00d6sterreich wieder ein Argument.\u201c<\/p>\n<p>Die Landlust, sie hat viele Facetten. Sie ist eine leise Revolution, die alle Lebensbereiche umfasst. Am unmittelbarsten profitiert derzeit noch der Tourismus, urige Alpend\u00f6rfer in \u00d6sterreich und S\u00fcdtirol florieren. \u201eAll diese alpinen Wellness-Konstrukte scheinen hervorragend zu funktionieren. Es ist sozusagen eine virtuelle Landliebe der St\u00e4dter\u201c, sagt Till Reiter. Florian Ranft ist da ganz seiner Meinung: \u201eDas Thema Landlust bezieht sich momentan mehr auf Wohnen und Freizeit als auf Einkaufen.\u201c Den Langzeittrend leugnen kann indes keiner mehr. Er wird das Kaufverhalten, den Einzelhandel, die Zukunft pr\u00e4gen. In der Stadt wie auf dem Land.<\/p>\n<p>Sonja Ragaller<\/p>\n<p>Artikel erschienen 2012 in der Style in Progress:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ucm-verlag.at\/magazine\/style-in-progress\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ucm-verlag.at\/magazine\/style-in-progress\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der neue Trend zu Heimat, Tradition und Natur ist auf dem Land noch nicht wirklich angekommen. Ehrliche Handarbeit wird h\u00f6chstens in den Medien romantisiert. Kleine L\u00e4den am Land profitieren bisher noch kaum von der neuen Landlust. Aber es liegt eine Sehnsucht in der Luft, die die Zukunft pr\u00e4gen wird. An einem Samstag im November in einer typischen niederbayerischen Kleinstadt: g\u00e4hnende Leere in den Stra\u00dfen der Innenstadt. Leerst\u00e4nde mitten im Ortskern. 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Dennoch ist ihr das Ph\u00e4nomen Landlust in letzter Zeit h\u00e4ufiger begegnet, nicht nur weil sie immer mehr Lederhosen und Dirndl verkauft, ja von einem wahren Trachten-Boom sprechen kann. \u201eZun\u00e4chst war das auf bestimmte Anl\u00e4sse wie auf Volksfeste beschr\u00e4nkt. Aber mittlerweile hat das Echte, Traditionelle auch im normalen Alltag eine Berechtigung. Wir verkaufen jetzt auch vermehrt urige Janker, Strickjacken und Trachtenblusen zu Jeans und Chino.\u201c Gruber spricht auch von der Sehnsucht nach Wertbest\u00e4ndigkeit, die sie bei ihren Kunden ausmacht. Nur dass sich der Wertewandel extrem auf den Handel in den l\u00e4ndlichen Regionen auswirkt, kann sie nicht best\u00e4tigen: \u201eIn den 1970er, 1980er Jahren war es extrem schick, in die Stadt zu fahren. Das machen heute nat\u00fcrlich auch noch viele. Aber es nimmt nicht mehr zu.\u201c Das liegt wahrscheinlich aber eher daran, dass Gruber mittlerweile auf 5.000 Quadratmetern Mode verkauft und von Esprit \u00fcber Boss bis Gerry Weber alles bietet, was der Kunde braucht. Dar\u00fcberhinaus versucht das Familienunternehmen, sich \u00fcber guten Service und individuellen Markenmix von der breiten Masse abzuheben. \u201eDas gro\u00dfe Problem von H\u00e4ndlern auf dem Land ist, dass sie immer ein sehr breites Spektrum an Marken und Modellen anbieten m\u00fcssen, um mit dem riesigen Angebot in der Gro\u00dfstadt halbwegs mithalten zu k\u00f6nnen.\u201c Florian Ranft, Komet&amp;Helden. Ein paar Kilometer weiter in Freising sieht es schon anders aus. Dort hat Gruber vor kurzem einen neuen Laden er\u00f6ffnet und k\u00e4mpft mit den \u00fcblichen Problemen. Mit der gr\u00fcnen Wiese, mit veralteten Strukturen und der fehlenden Attraktivit\u00e4t des Stadtkerns. Kleine interessante L\u00e4den findet man hier kaum. Das Sterben des individuellen Einzelhandels ist laut BTE nicht gestoppt, der Konzentrations-Prozess nimmt weiter zu. Betroffen sind vor allem kleinere Modegesch\u00e4fte mit Nettoums\u00e4tzen unter f\u00fcnf Millionen Euro. Waren im Jahr 2000 noch 34 823 Unternehmen am Markt vertreten, so ist die Zahl im Jahr 2009 auf nur noch 23 771 gefallen. So mancher beobachtet jedoch einen langsamen Gegentrend. \u201eDiejenigen H\u00e4ndler, die es heute noch auf dem Land gibt, bleiben auch. Sie haben sich auf den Mikromarkt und auf den Bedarf vor Ort eingestellt\u201c, sagt Michael Prues von der Vertriebsagentur Raab &amp; Prues in M\u00fcnchen. \u201eEs gibt interessante neue Gesch\u00e4fte am Land, die neue Wege gehen. Aber man kann nicht sagen, dass jetzt \u00fcberall neue Shops aufpoppen.\u201c Davon kann auch Markus Kuttenreich ein Lied singen. 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